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Ein ganz persönliches Projekt

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Seychellen

 Johannes und Anton im Faltboot auf dem Wasser um die Seychellen

Mit Faltboot und meinem einjährigen Sohn auf den Seychellen.

 


Seekarte der Hauptinsel Mahe der Seychellen Anse au Pins Charlette Residence Point au Sel Anse Royale Cap Lascare Anse a la Mouche Anse Barbadon Victoria Bel Ombre Grand Anse Port Glaud Therese Island Conseption Island North East Point Eden Island Seychelles International Airport Morne National Park Südtour Nordtour Osttour Westtour


Ich weiß nichts wie es Euch geht? Am Anfang jeder Reise steht eine Idee. Meist nur vage taucht sie am Horizont auf, gewinnt an Raum und je nachdem wie sie durch die äußeren Umstände genährt wird, kann sie wachsen oder verloren und schwach wieder hinterm Horizont verschwinden. Wie kam es also zu der Idee mit dem Faltboot auf die Seychellen zu fahren und was waren die Impulse, die der Idee Nahrung und ihr ihre finale Gestalt gaben.

Irgendwann Anfang August 2013, wir waren gerade mal zwei Wochen von unserer Fahrradtour entlang des Ostsee-Radwanderweges zurück und mein damals neun Monate altes Söhnchen hatte seinen ersten Zelturlaub mit Begeisterung erlebt, stöberte ich eines Abends ohne bestimmtes Ziel durch einige Flugportale im Internet.

Wie immer an solchen Abenden sehe ich mir Flugpreise von Zielen an, wo ich schon einmal war und ich die Regionen gern noch mal besuchen würde. Darunter sind meist Ziele in Indien, Vietnam, Brasilien, im Sudan oder im südlichen Afrika. Meine Recherchen streifen aber auch neue, bisher noch nicht bereiste Ziele, die mir eher gelegentlich, aber immer mal wieder in den Kopf kommen. Dazu zählen unter anderem die Malediven, Kamtschatka, die karibischen Inseln oder Inselstaaten in der Südsee wie Mikronesien. Meist enden die Recherchen der neuen Ziele mit der Erkenntnis, dass die Flüge dorthin gerade zu teuer sind oder andere Aufgaben auf mich warten, die eine Reise in absehbarer Zukunft nicht zulassen.. So war das bis dahin auch für die Seychellen.

Doch an diesem Abend war's anders: Das Flugportal www.fluege.de spuckte einen Preis von ca. 800 Euro für ein Return-Ticket für einen Erwachsenen im Zeitraum November/Dezember aus. Sonst waren es immer um die 1500 Euro oder mehr. Das Ganze auch noch mit Emirates, einer Fluggesellschaft, die ich durchaus gern fliege, wenn ich die Wahl habe.

Die kommenden zwei Tage gingen mir das Ziel und der Preis nicht mehr aus dem Kopf. Ich testete die Flüge von Frankfurt (FRA) nach Mahé (SEZ) immer wieder und langsam, quasi schleichend von der Seite schob sich auch mein Faltboot in die Szenerie, welche bereits ganz klar vor meinem geistigen Auge Gestalt annahm.

Da wollte ich schon immer mal hin! Die Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen. Also in die Details hineingedacht. Meine Lebensgefährtin muss arbeiten. Ceddy, unser großer Sohn in unserer Patchworkfamilie muss während dieser Zeit in die Schule. Ich kümmere mich praktisch jeden Tag um den Kleinen. Da gibt es keine Alternative. Der muss also mit! Ein tolles Gespann: Vater und Sohn mit dem Faltboot um die Seychellen. Das war ein Plan nach meinem Geschmack!

Bevor ich Nägel mit Köpfen machen konnte, noch einmal kurz die Freigepäckgrenzen, sowie die minimalen und maximalen Gepäckmaße zwischen den infrage kommenden Fluggesellschaften gecheckt. Es blieb bei Emirates. Und so wurden am 17.08. zwei Tickets gebucht: Ein Erwachsener und ein Baby am 06.11. um 14:25 Uhr von Frankfurt/Main nach Mahé und am 02. Dezember zurück.


Flug gebucht, und nun? Auf einmal wurde es ernst. Der Abflugtermin war gesetzt und so langsam stiegen in meiner Lebensgefährtin und Mutter meines Sohnes die Zweifel auf, ob das Projekt, mit dem Paddelboot auf die Seychellen, so das Geeignete für den Kleinen sei. Mein Vertrauen in Phillipp Anton, so sein Name - ich werde ihn ab jetzt Anton nennen - nahm ich vor allem aus meinen Erfahrungen von der Fahrradtour. Auf der Tour hatte er so viel Spaß und kam so wunderbar damit zurecht, jeden Tag an einem anderen Ort zu sein und im Zelt zu schlafen, dass ich für die Alltagsgestaltung auf einer Paddeltour keine Probleme sah. Bis dahin war er allerdings noch nie Faltboot gefahren und so war ein wichtiges Kriterium für die Realisierung dieser Tour, dass Anton gut mit dem Faltbootfahren zurecht kommt.

Auch wenn die Flüge gebucht waren, war in diesem frühen Stadium der Vorbereitung noch nicht klar, ob die Tour tatsächlich stattfinden konnte! Eine Tour ohne Anton kam jedoch nicht infrage was bedeutete, dass er derjenige ist, der bestimmt ob und wie das Projekt stattfinden kann, der Tourverlauf angepasst oder die Tour eventuell ganz abgeblasen werden muss.

Die Konsequenz in dieser Frage trug, so glaube ich, ganz entscheidend dazu bei, dass meine Lebensgefährtin, auch wenn es ihr schwerfiel, langsam Vertrauen in dieses nicht so alltägliche Vorhaben entwickelte. Die Sorge um ihn und sein Wohlergehen treibt aber nicht nur sie um. Auch für mich ist diese Sorge Maßstab für meine Entscheidungen und mein Handeln. Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig war, sie in alle Vorbereitungsschritte möglichst eng einzubinden um Vertrauen in das Projekt und in Anton zu fassen. Ebenfalls hat die gemeinsame Fahrradtour davor ganz entscheidend dazu beigetragen, dass sie sich Anton und mich auf dieser Tour vorstellen konnte. Auch wenn natürlich ein gutes Stück Unsicherheit bleibt, bin ich sehr glücklich, dass sie dieses Vorhaben mitträgt.

Voraussetzung dafür, die Unsicherheit nicht anwachsen zu lassen, werden auch dieser Blog und häufige telefonische Updates sein, die wir als Grundlage für unser gegenseitiges Vertrauen in das Projekt realisieren wollen.

Bevor es losgehen konnte, waren noch einige Trainings mit Anton notwendig. Ich wollte sehen wie sich Anton verhalten würde und ob eine solche Tour überhaupt mit ihm realisierbar ist. Die wohlweislich mitgebuchten Reiserücktrittsversicherungen verschafften Anton und mir den nötigen Spielraum dafür.


Antons Vorbereitung für die große Fahrt umfasste sehr einfache, fundamentale aber wichtige Dinge. Ein wichtige Aspekt war, dass sich Anton an eine Schwimmweste gewöhnen müsste. Ich kaufte eine Craft 0 - 15 kg. Schon nach wenigen Minuten war der Friede vorbei und Anton verweigerte jede weitere Kooperation. Ich hatte das Gefühl,

daß die Kopfbewegungen durch den Kragen zu sehr einschränkt wurden. Zudem klappte der Kragen bei seiner Krabbelhaltung immer auf den Hinterkopf. Ich glaube, das hätte mir in seiner Situation auch nicht gefallen und sein Ningeln nahm kein Ende. Zufällig entdeckte ich bei Yachtausrüstung Hamburg am Rödingsmarkt eine andere Schwimmweste, die Secumar Bravo Print 5 - 10 kg. Ich entschied mich spontan die Weste zu kaufen. Schlimmer konnte es ja nicht werden und es musste ja eine Alternative her. Die Verkäuferin gestand mir zu, dass ich die Weste bei Nichtgefallen/Nichtfunktion am nächsten Tag zurückgeben könne. Das erleichterte die Kaufentscheidung.

Ob die Verkäuferin nun von dem Produkt so überzeugt war, dass sie sich so kulant verhielt, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls entpuppte sich der Kauf der Schwimmweste als genau die richtige Enscheidung und Antons Abneigung gegen Schwimmwesten war Geschichte. Besonders viel mir auf das bei diesem Modell die Schwimmkörper etwas dünner waren und der Kragen eben nicht auf den Hinterkopf klappte, wenn Anton damit krabbelte. Nun ließ ich Anton täglich eine längere Zeit in der Schwimmweste herumkrappeln und er gewöhnte sich ohne weitere Probleme daran. Ein wichtiger Schritt war also getan.

Bevor wir mit dem Faltboot eine erste Fahrt machen konnten, sollte sich Anton an das Boot gewöhnen. So spielte ich mehrere Male mit ihm im und um das aufgebaute Boot auf dem Trockenen. Ich setzte ihn in das Boot und bewegte das es sanft hin und her. Auch dies klappte gut und er fasste langsam Vertrauen. Dann noch einmal eine Gewöhnung im flachen Wasser, indem ich das Boot hinter mir herzog oder es seitlich führte. Wunderbar! Er fand das Fahren und das leichte Schaukeln gut.

Nun konnte die erste Fahrt auf dem Wasser starten. Die sollte auf der Trave zwischen Wensin und Bad Segeberg stattfinden. Neben Anton war auch Ceddy dabei. Einmal weil Ceddy auch mitfahren wollte und zum anderen für den Fall, dass ich paddeln müsste und Anton bespaßt werden wollte. Wir hatten uns einen schönen Sonnen-Sonntag ausgesucht und alles verlief glatt. Wir waren kaum auf dem Wasser als Anton einnickte und den größten Teil der Strecke seelenruhig schlief. Offensichtlich vertraute er der Situation. Eine zweite Fahrt verlief ähnlich problemlos und er fand sich im Boot sehr gut zurecht.

Blieb nur noch ein wichtiger Aspekt der Vorbereitung, der gerade für die Tropen wichtig ist. Anton musste bis es los ging, allein aus seiner Trinkflasche Wasser trinken können. Aber auch das schaffte er in den Wochen bevor es losging problemlos. 

Somit war getan, was mit einem kleinen Passagier wie Anton getan werden kann. Er war geimpft. Sowohl das Paddeln als auch das Zelten stellten keine Probleme dar und ein Gästezimmer zur Akklimatisation und letzten Vorbereitungen vor Ort während der ersten drei Tag war gebucht.


Bevor es los gehen kann will so eine Reise vorbereitet sein. Während man für viele Reiseziele und Reisearten irgendwelche Webseiten findet, die mit Erfahrungsberichten die Vorbereitungen erleichtern, ergab die Kombination aus Faltboot/Kajak und Seychellen nur eine magere Ausbeute an Suchergebnissen. Die erste und entscheidenste Frage war,

wer schon mal mit einem Baby eine Paddeltour gemacht hat. Bis auf eine Webseite die über eine Fahrt in Nordamerika berichtete, konnte ich nichts finden. Zusammenfassend machte der Bericht Mut auch deshalb weil die Autorinnen mit einem noch jüngeren Baby als Anton unterwegs waren. Später dann, als die Frage nach dem "ob überhaupt" positiv beantwortet wurde, erfuhr ich, dass eine meiner Kolleginnen ähnliche Touren mit Ihren Kindern gemacht hat als die Kinder klein waren.

Zur Frage nach dem Reisen mit Paddel- oder Faltbooten um die Seychellen fand ich lediglich ein paar kommerzielle Seiten von Anbietern auf den Inseln die wenig informativ und für meine Zwecke nicht sehr hilfreich waren. Also blieb mir nichts weiter übrig als auf eigene Erfahrungen von anderen Reisen zurück zu greifen.

Als nächstes galt es eine Unterkunft zu finden, die einerseits preiswert und andererseits in der Nähe des Flughafens Mahé als Start und Zielpunkt dienen konnte. Das war etwas schwierig da ich, bisher noch nie vor Ort, mich ausschließlich auf die Beschreibungen im Internet, Google Maps und Google Earth verlassen musste. Die Webseite www.seychelles.travel war hier ausgesprochen hilfreich und nach dem Anschreiben mehrerer Anbieter war die richtige Unterkunft, Residence Charlette, Turtle Bay, im Süden von Mahé bald gefunden.

Nach und nach kamen die im Internet bestellten Ausrüstungsgegenstände zu Hause an und Stück für Stück füllten sich die vier 35l wasserdichten Packtaschen und das 20 kg Paket, dass ich beabsichtigte im Vorfeld an meine Ankunftsadresse zu schicken.

Die Variante mit dem Paket entstand nachdem ich den Flug gebucht hatte. Einkalkuliert hatte ich die von Emirates angebotenen 10kg Sportgepäck, die es für 180 Euro zusätzlich am Flughafen zu erweben gibt. Irgendwann kam ich auf die Idee mal abzuchecken was den der Paketversand auf die Seychellen kostet. Und siehe da: 25 kg für 125 Euro mit DHL bei einer Laufzeit von 9-13 Tagen. Na, das waren doch mal gute Neuigkeiten. Da konnte ich nicht nur die 180 Euro für das Sportgepäck sinnvoller einsetzen, sondern auch noch einiges an Ausrüstung voraus schicken, ohne es auf dem Weg vom und zum Flughafen managen zu müssen. Das machte vieles leichter! Schließlich hatte ich ja noch Anton in seinem Buggy dabei.

Das Paket war ca. drei Wochen vorher gepackt und wurde erst zum Zoll für die Ausstellung des INT 3 Formulars gebracht, dann auf der Post ordentlich mit Paketklebeband eingepackt und auf die Reise geschickt. Sowohl Zoll als auch Postbeamte waren sehr hilfreich und löcherten mich natürllich mit Fragen nach dem woher und wohin, die ich gern beantwortete.


Was alles mit muss: Packen, packen, packen:

Zelt

Notfalldecke

Kocher + Kartuschen

Bootsgestänge

+2 paar Paddel

Bootshaut

Bootswagen

Schwimmweste Anton

Schwimmweste Johannes

Normale Karte

Lonely Planet

Tasse

Schüssel

Wasserdichte Säcke

Löffel

Messer

Angelzeug

Schlafsackinlet

Isomatten

Kinderreisepass

Flugticket

Seekarten

Windeln Packung

Klamotten Anton

Klamotten Johannes

Spanngurte

Reparaturset

Epoxydharz-Kleber Set

Plastikschalen

Antonmilch

Buggy

Wasserblase

Ipad

Kamera

Fernauslöser

Stativ

Funkgerät

Solarpanel

Panzertape

Batterien Funkgerät

Batteriepack BP251


Welches Boot sollte es sein? Eines war von Anfang an klar: Ein Faltboot sollte es sein. Zur Auswahl standen ein Kolibri 4 und ein Pouch rz85-3. Nun wird der ein oder andere die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und die beiden Typen als vollkommen ungeeignet für eine solche Tour ansehen. Nun, das mag sein, ist aber vor allem eine Frage nach dem was das Boot leisten muss. Dazu jedoch später mehr. Die Auswahl an unterschiedlichen Faltbooten reduzierte sich mit der Recherche sher schnell. Die meisten Zweier-Faltboote waren einfach zu schwer - meistens über 35 kg ohne die nötigen Zubehörteile wie Ruder, Paddel o.ä. mit einzurechnen. Die einzigen Boote die mit allem Zubehör um die 30kg liegen, scheinen die beiden oben genannten Typen zu sein.


Seit zwei Stunden nun unterwegs. Der Kleine schläft. Die Sonne scheint durch das Zugfenster und zeichnet auf die Scheiben ein goldenen Schleier. So fühle ich mich: Golden, privilegiert. Nun bin ich tatsächlich unterwegs. Unterwegs zu einem kleinen Abenteuer. Zu einer Reise auf die

Seychellen mit Anton und Faltboot. Für meine Freundin war der Abschied heute morgen auf dem Bahnhof sicherlich schwer. Sie wird ihren Sohn die kommenden drei Wochen nicht in die Arme nehmen können. Ich weiß wie schwer ihr das fällt. Mir würde es genauso gehen!

Allerdings kreisen meine Gedanken um das was kommt - unsere Reise. Wie wird Anton den langen Flug meistern? Wie wird es sein, wenn wir ankommen? Wird sich das Paddeln so umsetzen lassen wie geplant? Ich bin gespannt! Gespannt, weil ich mit Anton noch keine so lange Reise gemacht habe. Gespannt, weil ich bisher keine Berichte zu ähnlichen Projekten gelesen habe. Es also ziemlich neu ist. Gespannt, weil ich das erste Mal auf die Seychellen fliege. So könnte ich die Liste weiter fortsetzen.

Was mich an diesem Morgen sehr positiv stimmt, sind die Erfahrungen auf den Bahnhöfen. Die Mitreisenden sind sehr nett und hilfsbereit. Ich mit meinen Tonnen von Gepäck! Das Faltbootgestänge, der Buggy, die Tasche mit unseren Klamotten und mein Rucksack. Buggy und Tasche sind mit dem Faltbootgestänge auf den Transportwagen geschnallt, der Rucksack auf meinem Rücken und Anton im Arm. So klappt's!


Das war eine Nacht mit viel Gemeckere und Geschrei. Wenigstens hat Anton die zweite Hälften des Fluges von Dubai auf die Seychellen fast durchgeschlafen. Eine zweiten Flug, wie der von Frankfurt nach Dubai hätte arg an meinen Nerven gezerrt. Die Seychellen empfangen uns

mit einem tollen, frischen, morgendlichen Duft. Nicht der etwas modrige Geruch der Tropen, der sich so in meine Erinnerung eingebrannt hat, als ich in Bombay, Lilongwe oder Manaus ausgestiegen bin. Vielmehr kommt zu dem Modrigen hier ein frischer Duft nach Blüten und eine Briese frische Meeresluft hinzu.

Am Flughafen kurz Euro gegen Seychellen Rupies getauscht. Kurs liegt zwischen 15 un16 für einen Euro. Der Versuch, eine neue SIM Karte fürs Handy gleich am Flughafen zu erwerben schlug fehl weil der Shop zu war. Denis, der mich abholen wollte kam etwas später. Alles kein Drama! Zu übersehen war ich mit Anton nicht. So viele alleinreisende Väter hatten auf dem Emirates-Flug EK 705 nicht eingecheckt. Auch sonst scheint das nicht so oft vorzukommen, dass Väter mit Ihren Kindern allein unterwegs sind. Die Immigrationbeamten fragten mich gleich nach dem woher und wohin. Wollten die Geburtsurkunde und die Vollmacht von Tanja sehen und konnten partu nicht glauben, dass die Mutter nicht irgendwo hinten in der Schlange steht. Letztlich waren wir zwei mit unseren Papieren wohl doch überzeugend und die, laut Lonely Planet obligatorischen Fragen nach der Hotelbuchung und den Reisemitteln entfielen.

Mein Fahrer und ich, wir hatten uns alsbald gefunden. Wir luden alles ein und waren in 10 Minuten an unserem Bungalow. Der ist richtig Spitze. - Jeder Komfort, den man sich nur wünschen kann. Ich genieße es besonders, dass ich das Haus auch ohne Klimaanlage betreiben darf obwohl, für den der es braucht, auch eine vorhanden ist. Ohne Klimaanlage ist die Akklimatisation für mich und Anton einfacher. Anton hat erstmal seine Sachen abstreifen dürfen und krabbelt nun nackt, nur noch mit Windel umher.

Nun noch, wie morgens zu Hause, die zwei Milchfläschchen für Anton zubereitet - Rituale sind wichtig - dann ein bisschen schlafen und später die nähere Umgebung erkunden.


Der Zugang zum Meer ist keine 50 Meter weit vom Bungalow entfernt und unter Bäumen gelegen. Es gibt Sandbereiche, als auch einer Art Mauer, die sich optimal zum sitzen und zum Ablegen irgendwelcher Sachen beim späteren Packen eignet. Der Platz selbst sieht genauso aus wie

ich mir die zukünftigen Rastplätze vorgestellt habe. Bäume, Palmen und die Möglichkeit sicher anzulanden. Draußen, etwa einen Kilometer im Meer sehe ich wie sich die Wellen an der Riffkante brechen. Der Bereich dazwischen, unser Paddelbereich - Ruhige See!

Der Stand mit den Händlern, die Obst und Gemüse in der Nähe vom Strand verkaufen war fast leergefegt. Denis meinte: Das wären nur noch die Reste vom Tag. Morgen früh soll da wohl mehr verfügbar sein. Jedenfalls habe ich beobachtet wie eine Frau fünf Kokosnüsse für 25 SRp. kaufte. Wieder was dazu gelernt! Mein Gang in den Supermarkt war nicht ganz so günstig. Nun ja, vor allem Importartikel gekauft. Da brauche ich mich nicht zu wundern. Eine lokale Telefonnummer, die +284 2788732, besorgt und mit Denis das Geschäftliche abgewickelt.

Nach erfolgreichem Einkauf dann wieder nach Hause und für Anton und mich das Abendbrot bereitet. Mit Anton unter die Dusche gewesen und nach dem Zähneputzen - Rituale sind ja wichtig - ins Bett. Es ist so warm, dass er nur mit Windel schläft. Mit dem Body, den ich ihm während unseres Nachmittagsspaziergangs angezogen hatte, war es ihm definitiv zu warm.

Nun noch das Paket auspacken, was ich mit einigen Teilen schon vorausgeschickt hatte und dann geht es auch für mich in die Kiste. Trotz, dass das Paket an zwei Stellen aufgerissen ist, sind noch alle Teile vorhanden. Dann kann es ja morgen mit einer ersten Proberunde losgehen.


Denkste! Nachdem ich das Boot aufgebaut hatte, war ich fix und alle. Für einen Strandurlauber mögen die kleinen Wölkchen ein Genuss sein, für mich als Paddler mit einer ca. 150 km Tour vor uns, eher nicht. Die Sonne fraß sich unbarmherzig unter die Haut und

ich beschloss, die Probetour auf den kommenden Morgen zu verlegen. Also werde ich den Tag damit zubringen, das Wetter, das Meer und die Tide zu beobachten. Daneben noch einige Einkäufe und mit Anton am Strand gespielt.

5:30 Uhr klingelt der Wecker. Es dämmert gerade. Nachts hat es heftig geregnet. Der Himmel hängt immernoch voller Wolken und laut Wetter-App soll das auch den ganzen Tag so bleiben. Meine Motivation aufzustehen geht gegen Null und ich beschließe - weil Anton ja noch so schön schläft - später, erst nach dem Frühstück, losfahren.

Ganz geruhsam um acht aufgestanden, gefrühstückt und das Boot klar gemacht. Den Kahn auf den Transportwagen geschnallt und mit samt Kind zum Wasser gefahren. Dort angekommen, Wind. Es mögen wohl so um die vier Windstärken sein. Zum Glück brechen sich die Wellen schon vorn an der Riffkante. Dennoch schwappt es am Strand gelegentlich ins Boot und Anton bekommt einen Schwall Wasser ab, was Ihm garnicht gefällt.

Trotzdem irgendwann abgelegt und ein Stück vom Ufer weg, wackelt alles nur noch mäßig. Kaum sind wir 500 m gefahren kommt die Sonne raus. Na prima! Das wollte ich gerade vermeiden!

Anton hat es sich in der Zwischenzeit unter seinem Sonnensegel bequem gemacht und schläft. Ich fahre noch ein kleine Runde lege hier und da mal an und komme nach etwa einer Stunde wieder zum meinem Startplatz zurück. Der Wind hat noch etwas zugenommen. Nun schnell! Am Strand aufsetzen, aus dem Boot springen und das Boot schnell ein Stück weiter aus dem Wasser ziehen. Muss ja nicht sein, dass wir erst noch einen Schwung Wasser nehmen. Ich ziehe das Boot auf den Strand und bis unter die Palmen. Anton schläft seelenruhig weiter. Irgendwann wecke ich Ihn, damit wir zum Haus zurückgehen können.

Der Plan ist am Nachmittag noch eine weitere Runde zu fahren. Inzwischen kann ich ja die Sachen für den morgigen Start vorbereiten, nahm ich mir vor. Als wir wieder am Haus sind, fragt mich mein Vermieter ganz erschrocken wo ich mein Kajak gelassen habe. Ich antworte: Unten am Strand! Worauf er mit einem Stirnrunzeln erwidert ob ich glaube, dass es dort "safe" wäre. Ich glaube schon!? Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich ein Einheimischer mit so einem wackligen Ding aus Stoff aufs Wasser wagt. Nicht, weil ich denke, dass sie Angst haben, sondern weil ich glaube, dass so verrückt nur westliche Touristen sein können. Vielleicht spricht aus meinen Gedanken auch nur die eingebildete Sicherheit, damit ich das Boot nicht jedes mal zum Strand und wieder zurück tragen muss.


Der zweite Ausflug an diesem Tag zum Pointe au Sel verlief sehr ruhig. Der Wind hatte gegen fünf Uhr abends etwas nachgelassen und die Flut begann gerade wieder zu steigen. Auf dem Riffdach war es teilweise noch recht flach, sodass ich aussteigen und das Boot streckenweise ziehen müsste. Sobald wir auf dem Wasser waren schlief Anton wie üblich ein. Ich fuhr Richtung Süden zu dem Kap,


das es als Nächstes zu umrunden galt. Die Strömung durch die hereinkommende Flut war an manchen Stellen ziemlich stark, sodass ich ordentlich dagegen anpaddeln müsste. Am Kap angekommen wurde schnell klar, dass es am besten bei ruhiger See und bei hereinkommender Flut zu umrunden ist. Am besten wäre es, vor acht Uhr morgens wieder hinter der Riffkante auf der anderen Seite des Kaps anzukommen. Ich fasste also den Plan um fünf aufzustehen, die Sachen ins Boot zu laden und so loszufahren, dass ich etwa gegen sieben Pointe au Sel umrunden kann. Dann würde ich noch ein bis zwei Stunden auf der anderen Seite weiterfahren und mir einen neuen Liegeplatz suchen.

Auf dem Rückweg sah ich eine Menge größerer Fische im Wasser. So unter anderem meinen ersten freilebenden Baracuda. Der war bestimmt einen Meter lang und beeindruckte mich, mit welcher Geschwindigkeit er durchs Wasser schoss.

Den Wind im Rücken ging es zurück wesentlich schneller. Jedoch erreichten wir unseren Startpunkt erst wieder mit den letzten Fetzen Licht des Tages.


Laziness - Faulheit ist das, was mich heute morgen wieder nicht dazu bringen konnte um fünf aufzustehen damit wir rechtzeitig starten konnten. Aufgewacht sind wir dann eine Stunde später um zu entscheiden, dass es jetzt für einen Aufbruch schon zu spät ist. Wenn wir nicht rechtzeitig losfahren müssen wir

das nächste Cap bei beginnender Ebbe umrunden. Das ist mir zu risikoreich. Schließlich geht die Strömung dann aufs Meer hinaus. Also noch einen weiteren Tag warten.

Sicherlich hat zu meiner morgendlichen Faulheit auch beigetragen, dass ich nachts ziemlich lange wach gelegen und vor mich hin gegrübelt habe. Naja was denkt man so wenn man mit dem Start nicht zu Pötte kommt und das Boot unbewacht am Strand liegt.

Ich hoffe wir managen den Start nun morgen früh. Ich werde zumindest alles daran setzen, schließlich konnte ich heute schonmal hinter den Pointe au Sel sehen. Weil am Sonntag nicht alle Fastfood-Läden auf haben, war Denis gezwungen etwas weiter für seinen Lunch zu fahren. Da ich ihn begleitete, hatte ich die Chance auf eine kleine Sightseeingtour. Die Landschaft, das Meer, einfach alles wird noch bezaubernder und die Farben bekommen fast Postkartenintensität.

Ich freue mich schon auf morgen, wenn ich alles vom Wasser aus sehen kann.